06.04.2021

Eines der bekanntesten Markersdorfer Gebäude ist der Carolapark. So findet dieser sich auf sehr vielen Markersdorfer Post- und Ansichtskarten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat dieser Gebäudekomplex schon die verschiedensten Nutzungszwecke erfahren: Von der Gaststätte und Hotel über Lehrlingswohnheim bis hin zur Diskothek war alles vertreten. Da die Schreibweisen sowohl "Carola-Park" als auch "Carolapark" verwendet wurden, sind diese auch so im Text zu finden.
In den Räumen des Carolaparkes wurde Markersdorfer Geschichte geschrieben: Viele Gemeindevertretungssitzungen und Markersdorfer Feierlichkeiten fanden hier statt. Aktuell scheint das Gebäude aber leider äußerlich zu verfallen.
Doch beginnen wir am Anfang. Gebaut wurde der "Carola-Park" 1886 (1) vom Besitzer der GROMA, Herrn G. F. Grosser. Offenbar war der Fabrikant Grosser ein großer Anhänger der Monarchie oder des sächsischen Königspaares, was sich im gewählten Name wiederspiegelt: Das Etablissement wurde „zu Ehren der der allseits beliebten Gattin des amtierenden sächsischen Königs Albert“ Carolapark benannt. König Alberts Gattin, die sächsische Königin, hörte auf den Namen Carola.
Parkgelände des Carolapark auf einer alten Postkarte ca. 1900
Carolapark auf einer alten Postkarte ca. 1900, links im Hintergrund die Villa Grosser sen. und rechts die "Kutscherstube" sowie der Schlauchturm
Das Gelände um den Carolapark wurde ebenfalls ausgebaut und bereits um 1900 war dieser in der weiten Umgebung bekannt. So schreibt B. Drescher in seinem Artikel über das Chemnitztal in "Unsere Heimat" Ausgabe Juli-August 1902:
"Ganz in der Nähe des Bahnhofs ist auch das vielbesuchte Vergnügungs-Etablissement "Carolapark", welches herrliche Parkanlagen besitzt und vom Fabrikbesitzer Grosser erbaut worden ist." (2)
Auch das Festmahl zur Eröffnung der Chemnitztalbahn 1902 fanden in den Räumlichkeiten des Carolapark statt. (2)
Ballsaal des Carolapark auf einer alten Postkarte
Wie wir alten Postkarten entnehmen können, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bruno Rost Besitzer des Carolapark. In den 1920er Jahren finden wir dann Max Steinbach als Besitzer angegeben. Auf diesen Postkarten wurde das Etablissement Hotel "Carola-Park" Markersdorf (Chemnitztal, direkt am Bahnhof Markersdorf-Taura gelegen) beworben:
„Großer Konzert-Garten und Ball-Saal, Modern eingerichtete Gasträume und Fremdenzimmer, Autogarage, Tankstelle, Autoomnibus-Haltestelle, Asphalt-Kegelbahn, Angenehmer Aufenthalt für Touristen, Vereine und Gesellschaften - Beliebter Ausflugsort“
In den Jahren 1926 erfolgte ein erster größerer Umbau. (1) Auf dem hinter dem Hauptgebäude befindlichen Gelände waren eine Freitanzfläche sowie ein großer Außenschankbereich entstanden. Am Fuße der großen Felswand befand sich ein Tierparkgehege, so dass bei einem Ausflug die Tiere hier bestaunt werden konnten. Auch der Zeit geschuldet lautete die Werbung auf einer Postkarte der 1930er Jahre etwas anders:
„Ausflugslokal "Carola-Park" Markersdorf (Chemnitztal) direkt am Bahnhof Markersdorf-Taura gelegen, Großer Konzert-Garten und Ball-Saal, Moderne Gasträume und Fremdenzimmer, Kegelbahn, Autogarage, Autobus-Haltestelle, Kleinkaliberstand, sehenswerter Tierpark, Für Vereine, Gesellschaften und "Kraft durch Freude"- Ausflüge sehr geeignet, Tanzdiele im Park“
Carola-Park Tanzdiele im Park
Ansicht des Carola-Park in den 1930er Jahren, hier ist schon der halbrunde Eingangsbereich angebaut worden
Zu den zwei nebenberuflich betriebenen Schankwirtschaften war das Gaststättengewerbe nach dem 2. Weltkrieg in Markersdorf in zwei Großbetriebe unterteilt. Da war zum einen der "Lindenhof", der aus der ersten Markersdorfer Schänke hervorgegangen war und zum anderen der "Carolapark". Beide Wirtschaften boten zusammen 30 Personen Übernachtungsmöglichkeiten. Zu regelmäßigen Tanzveranstaltungen spielt die Kapelle Guido List auf. (3)
Damals fanden zumeist an den Wochenenden Veranstaltungen und Feste in den Anlagen des Carola-Park statt. Diese wurden gut besucht, was natürlich auch der optimalen Lage, direkt am Bahnhof Markersdorf-Taura und somit einer perfekten verkehrstechnischen Anbindung geschuldet war.
Ob 1950 die außerordentliche Sitzung der Gemeindevertretungen von Markersdorf und Claußnitz im Carolapark stattgefunden hat, habe ich leider noch nicht herausfinden können. Beide Orte sollten bereits damals schon zusammengelegt werden. Dies wurde aber von den Vertretern aus Markersdorf abgelehnt. (3)
In den 1950er Jahren kam es dann aber zur ersten "Zweckentfremdung". Der "Carolapark" war vom Rat des Kreises übernommen worden, um dort ein Wohnheim für landwirtschaftliche Lehrlinge bzw. die zentrale Lehrausbildungsstätte "Carolapark" zu schaffen. Zudem wurde das Haus in dieser Zeit auch als Ferienheim für Betriebe genutzt. So wird auf einer Postkarte aus den 1950er Jahren der Carolapark als Ferienheim des VEB Steingutwerk Torgau benannt.
1965 erfolgte dann die Umgestaltung und Rekonstruktion des ehemaligen "Carolapark" zum Kulturhaus. Am 20.1.1966 wird mit dem Ausbau des "Carolapark" als Kulturhaus begonnen. (3)
In den Folgejahren entwickelte sich der Carolapark als Kulturhaus Markersdorf zu Mittelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Markersdorf (Chemnitztal). In diesem Kulturhaus fanden nun die verschiedensten Veranstaltungen für alle Altersgruppen statt, z.B. Tanzveranstaltungen, Discos, Puppentheater, Jugendweihefeiern, Namensgebungen, Weihnachtsfeiern und Familienfestlichkeiten. Diese Veranstaltungen wurden vom sogenannten Dorfklub koordiniert. Interessierte Bürger können sich außerdem an diversen Zirkeln beteiligen: Bastler, Modelleisenbahner, Fotofreunde und Philatelisten. Außer kulturellen Veranstaltungen wurden aber auch Schulungen, Lehrgänge und Versammlungen im Carolapark durchgeführt. Die Gemeindevertretung tagte alle acht Wochen im Saal dieses Kulturhauses. (4)
Zusammenlegungen und Eingemeindungen warfen erneut ihre Schatten voraus: Am 1.4.1973 (kein Aprilscherz!) kommt es zur Bildung des Gemeindeverbandes "Chemnitztal" mit Sitz in Markersdorf. Mit diesem Verband wollte man die Gemeinschaftsarbeit zwischen den Gemeinden Claußnitz, Diethensdorf, Köthensdorf, Mohsdorf, Taura und Markersdorf unter Beibehaltung der Selbständigkeit der Mitgliedsgemeinden verbessern. (5) Die Gründungsversammlung fand bereits am 29.03.1973 im Carolapark statt. (14)
Broschüre Gemeindeverband "Chemnitztal" aus dem Jahre 1973
Besondere Höhepunkte waren von 1977 bis in die späten 1980er Jahre die Sommerfilmtage, die jährlich von Juni bis August in den Außenanlagen des „Carolaparks stattfanden. (4) Bei den Menschen aus Markersdorf und der ganzen Umgebung war das Freilichtkino bekannt und beliebt. Damals wohnten wir in der Nähe des Carolapark an der Hauptstraße und ich bekam im Sommer die interessante Geräuschkulisse im Kinderzimmer mit. Leider war ich noch nicht alt genug, um mich heimlich fortzuschleichen und so den Filmtagen beiwohnen zu können.
Zu dieser Zeit war im Carolapark auch die seit 1951 bestehende Gemeindebibliothek untergebracht. Lesefreudige Bürger hatten hier zweimal wöchentlich die Möglichkeit sich Bücher aus den damals dort verfügbaren Bereichen der Literatur auszuleihen. Die Bücherei verfügte 1983 über einen Buchbestand von ca 2000 Exemplaren. Insgesamt 300 Bürger aus Markersdorf machten zu dieser Zeit von der Einrichtung Gebrauch. (4)
Reges Treiben herrschte 1989 zur Feier "500 Jahre Markersdorf" vor dem Carolapark
Auf dem Parkgelände hinter dem Carolapark fanden in den 1980er Jahren viele Dorf- und Kinderfeste statt. Ich kann mich zum Beispiel noch an Rollerrennen, Losbuden und an die Luftgewehr-Schießbude in einer der Garagen auf dem Gelände erinnern. Zur Feier "500 Jahre Markersdorf" 1989 fanden auf dem Gelände um den Carolapark viele der Festlichkeiten statt.
1988 übernahm Heiko Vollmar den Gaststättenbetrieb Carolapark in Markersdorf (Chemnitztal) und begann 1991 mit Renovierungsarbeiten. Insbesondere der große Tanzsaal wurde völlig neu umgestaltet, eine neue Bar, Ledergarnituren und eine modere Deckenbeleuchtung gaben den Räumlichkeiten einen besonderen Flair. (6)
Zu dieser Zeit begann sich der Carolapark als Diskothek einen Namen zu machen. Für die Jugend der gesamten Region ein Segen, für die Anwohner oft ein Grund zum Fluchen. Fast die gesamte Woche schallten nun Discoklänge aus dem Gebäude, an den Wochenenden sogar bis 3 Uhr morgens. Auch ich verbrachte zu viel Zeit dort und ließ so manch schwer verdiente Mark vom Lehrlingsgeld an der Bar.
Teilansicht des Schildes "Diskothek Carolapark" aus den 1990er Jahren
Nach erfolgreichen ersten Jahren wurde es dann Stiller und obwohl neue Ideen wie Teenie-Party und Miniplaybackshow (7) einigen Anklang fanden schlossen sich im Juni 1998 schließlich die Türen der Diskothek Carolapark. Von da an stand das Gebäude ungenutzt und der Zustand verschlechterte sich mit der Zeit immer mehr. Nur die Fassade war zur Diskozeit der 1990er Jahre mit Farbe behandelt worden, notwendige Restaurierungsarbeiten waren aber unterblieben.
2001 gab es dann neue Hoffnung für den Carolapark. Ein Stuckunternehmen aus Wiederau hatte das Objekt gekauft und plante mit dem „Stuckhaus Carolapark“ ein Referenzobjekt zu erstellen. Geschäftsführer Marko Eberl rechnete damals mit einer „Bauzeit von ungefähr sieben Jahren, bis alles wieder ordentlich hergestellt ist“. (8) Geplant war weiterhin die Produktion im Gebäude der anliegenden Kutscherstube zu realisieren. „Das Hauptgebäude wollen wir so ausbauen, dass es immer wieder genutzt werden kann. Das Wichtigste dabei: Es wird wie früher, in einem barocken Stil hergestellt" so Eberl 2001. (8)
Carolapark im Jahre 2002
Und es begann auch hoffnungsvoll: Die 2003 für die Öffentlichkeit zugänglich gemachten Räume ließen viele Besuchern den Mund vor Staunen offen stehen. Insbesondere der Eingangsbereich war schön restauriert und stilvoll wiederhergestellt worden. In der Folge wurden weitere Räume wie die ehemalige Gaststube ansehnlich fertiggestellt.
Die Kutscherstube, in der eigentlich die Produktion geplant war wurde jedoch vollständig abgerissen.
Das Gebäude der inzwischen abgerissenen "Kutscherstube" (2004)
Im Jahr 2004 erwarb die Firma Edition-Stuckhaus dann das rund 2,5 Ha große ehemalige Bergauer-Areal im Nachbarort Taura. Die Produktion sollte nun vom Carolapark dorthin verlegt werden und der Carolapark künftig ausschließlich Ausstellungen dienen. (10)
Im Carolapark fanden in der Folgezeit viele Konzerte und Lesungen statt, Hochzeitspaare nutzten die neu gestalteten Räume für Hochzeitsfeiern und es wurden Tanzkurse angeboten. Markersdorf hatte durch das Engagement der Firma Edition-Stuckhaus im Carolapark endlich wieder ein kulturelles Schmuckstück erhalten.
Carolapark (Foto von 2004)
Was der eine mühsam aufbaut wird auf dieser Welt von anderen oft rücksichtslos wieder zerstört. Im "Kleinen" passiert das leider auch in Markersdorf. 2014 wurde ein aus Beton gegossener 58 cm großer Bär vom Gelände des Carolapark gestohlen. (11) Doch damit nicht genug: Im folgenden Jahr wurden dann insgesamt weitere 15 Figuren entwendet. (12) Der Firmenchef Eberl nahm den Verlust sportlich: „Wir blicken nach vorn. Es ist bedauerlich, dass es solche Langfinger gibt“ (13)
Allerdings ist seitdem, zumindest in der Presse, das Thema Carolapark nicht mehr präsent und man begann sich Sorgen zu machen.
Schade, einst als Prestige- und Ausstellungsobjekt von der die Firma Edition-Stuckhaus erworben wird der Carolapark seitdem zumindest äußerlich immer mehr dem Verfall preisgegeben. Irgendwie passen die schönen Bilder und Fotos aus dem Inneren des Gebäudes nicht zum äußerlichen Zustand im Jahr 2020. Das Dach ist bei Teilen des Gebäudes nicht mehr vorhanden, die hintere rechte Gebäudeseite ist dadurch total mit Nässe durchzogen. So stellt sich das zumindest für mich als Außenstehenden dar. Die folgenden zwei Bilder hätte ich mir gern gespart.
"Schattenseiten" des Carolaparkes (2020)
"Schattenseiten" des Carolaparkes (2020)
Die Geschichte des Carolapark ist hier sicherlich noch nicht zu Ende, steht aber wohl wieder einmal an einem Scheideweg. Wir werden sehen was die Zukunft bringt.
Damit wir aber unseren Carolapark vorerst in besserer Erinnerung behalten, abschließend noch ein schönes Bild einer Postkarte aus vergangenen Glanzzeiten.
Postkarte mit dem Carola-Park um 1900
Quellen:
© F. Schramm 2021