21.03.2021, zuletzt aktualisiert am 07.04.2021

Der Chemnitztalradweg

Der Chemnitztalradweg

 
Neues rollt auf altem Trassenverlauf

Waren es vor 100 Jahren Lokomotiven mit Personen- und Güterwagen die das Chemnitztal "durchdampften", schnaufen heute andere "Typen" durch das landschaftlich reizvolle Gebiet. Um Missverständnissen vorzubeugen: Damit meine ich Radfahrer, Inlineskater oder Fußgänger, die den ehemaligen Schienenweg der Chemnitztalbahn heute zur Erholung und Freizeitgestaltung nutzen.

Schon als sich das traurige Ende der Chemnitztalbahn abzeichnete geisterte die Idee einer Nachnutzung als Radweg durch die Region. Bis zur Umsetzung war und ist aber viel Planung und Arbeit notwendig. Zuerst war ich maßlos enttäuscht, dass die Bahnstrecke durch unser schönes Chemnitztal einfach nicht mehr existiert. Allerdings habe ich die Chemnitztalbahn am Ende auch nur noch aus nostalgischen Gründen genutzt und verbinde mir ihr in erster Linie schöne Kindheitserinnerungen. Zum Umsatz habe ich also nicht mehr beigetragen und verdient hat die Deutsche Bahn daher auch an mir nichts. Da die Industrie im Chemnitztal in den 1990er Jahren komplett zusammengebrochen ist und fast alle ehemaligen Nutzer der Bahnlinie auf andere Verkehrsmittel umgestiegen sind, war ein wirklich wirtschaftlicher Betrieb sicher nicht möglich. Daher ist es leider auch nur logisch, dass die Deutsche Bahn den Betrieb eingestellt hat.

2007 wurde der Zweckverband „Chemnitztalradweg“, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, gegründet. Zum Verband gehören die Städte Burgstädt und Lunzenau und die umliegenden Gemeinden Claußnitz, Königshain-Wiederau, Lichtenau und Taura. Die Arbeit des Zweckverbands umfasst die Planung, Finanzierung, Umsetzung eines Radwegs von Chemnitz bis zum Muldental sowie die gezielte Vermarktung dieses Radwegs und von Angeboten entlang der Strecke. (1)

Rückbau der Bahntrasse in Markersdorf (2008) Rückbau der Bahntrasse in Markersdorf (2008)


 
Die ersten Bauabschnitte werden freigegeben

Die Trasse befindet sich zum Teil im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Chemnitztal“. Die Einrichtung des Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse war daher mit umfangreiche Maßnahmen zur Eingriffskompensation, unter anderem der Renaturierung von bisher versiegelten Flächen, Anpflanzungen von Sträuchern und Bäumen, dem Rückbau einer Wehranlage in Auerswalde und einer ganzen Reihe von Einzelmaßnahmen zum Fledermausschutz verbunden. Da zumeist die ehemalige Bahntrasse verwendet wurde, konnten Eingriffe in Natur und Landschaft deutlich reduziert werden. (2)

Schöner Nebeneffekt ist, dass dadurch viele bahntechnische Bauten, unter anderem Tunnel und Brücken, für die Nachwelt erhalten bleiben. Vielleicht folgt nach der industriellen Erschließung im 19. und 20. Jahrhundert nun eine touristische Erschließung des Chemnitztals.

Zu Beginn des Chemnitztalradwegs in Chemnitz verläuft dieser noch nicht auf der ehemaligen Bahntrasse. Erst nach den beiden, am 30. November 2005 bzw. am 24. November 2006 eröffneten ersten Bereichen des Radwegs, wird im 3. Abschnitt die Trasse erreicht. Die Eröffnung des dritten Teilstücks erfolgte am 31. Mai 2011. Noch vor dem Kreuzen der Heinersdorfer Straße verläuft der Radweg, beginnend in Höhe der Kläranlage Heinersdorf, auf dem ehemaligen Schienenweg der Chemnitztalbahn. Die Freigabe des nächsten Teilstücks bis Wittgensdorf erfolgte am 11. März 2016. Und schließlich wurde am 8. April 2017 der Radweg bis nach Markersdorf eröffnet. Grundsätzlich ausgebaut ist der Radweg sogar schon bis nach Diethensdorf. Dieser Bauabschnitt ist aber noch nicht offiziell freigegeben. (Stand 02/2021)

Schild "Wir bauen für Sie" - Chemnitztalradweg in Markersdorf


 
Stadt Chemnitz - Eckstraße über Damweg bis Bornaer Straße

Der aktuell ca. 13 Kilometer lange Radweg von Chemnitz bis nach Diethensdorf beginnt im Herzen der Stadt Chemnitz am Schlossteich. Das Gelände ist relativ eben, so dass man auch nicht Angst haben muss an Steigungen außer Puste zu kommen. Allerdings kreuzt der Chemnitztalradweg Straßen, die zum Teil stark befahren sind, so dass an diesen Stellen erhöhte Vorsicht geboten ist. Radfahrer und Autofahren sind ja nicht immer die besten Freunde, daher sollte man Rücksichtnahme nicht voraussetzen sondern sich lieber zurückhaltend an den Straßenkreuzungen bewegen. Beim Crash siegt ja zumeist das Auto …

Auf den ersten Metern nutzen wir allerdings noch teilweise öffentliche Straßen. Der eigentliche Radweg beginnt in Chemnitz an der Eckstraße, nahe dem Industriekomplex "Schönherrfarbrik". Von hier an führt der Radweg am linken Ufer der Chemnitz durch das Industriegebiet im Norden von Chemnitz.

Beginn des Chemnitztalradweges in Chemnitz (2021) Beginn des Chemnitztalradweges in Chemnitz (2021)


Schon nach wenigen hundert Metern der erste, im wahrsten Sinne des Wortes, Höhepunkt: Der ca. 302 Meter hohe Chemnitzer Lulatsch, ein Industrieschornstein des Heizkraftwerkes Chemnitz, erhebt sich seit 1984 imposant am Rande des Radweges. So kann zu Beginn des Chemnitztalradweges erst einmal Sachsens höchstes Bauwerk bewundert werden.

Der ca. 302 Meter hohe Industrieschornstein des Heizkraftwerkes Chemnitz (2021) Der ca. 302 Meter hohe Industrieschornstein des Heizkraftwerkes Chemnitz (2021)


Ob die farbliche Gestaltung gelungen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Weiter geht es durch den Chemnitzer Stadtteil Furth, an der rechten Seite begleitet vom Chemnitzfluss, links säumen hier weiter Industrieanlagen den Radweg.

Voraus sieht man nun, hinter den Bäumen aufragend, den Turm der St. Jodokuskirche von Chemnitz-Glösa.

St. Jodokuskirche von Chemnitz-Glösa erhebt sich auf dem Eierberg (2021) St. Jodokuskirche von Chemnitz-Glösa erhebt sich auf dem Eierberg (2021)


Auf dem Eierberg gelegen wurde das Gebäude als romanische Kapelle/Kirche im 12. Jahrhundert erbaut, mehrfach renoviert, nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg im alten Stil bis 1960 wiederaufgebaut. (3)

Nun taucht man durch ein Bahnviadukt, bei dem man meint sich beim Durchfahren den Kopf anzustoßen.

Eisenbahnviadukt in Chemnitz Furth (2016) Eisenbahnviadukt in Chemnitz Furth (2016)


Schlimm waren die Schäden, die das Hochwasser im Sommer 2013 hier verursacht hatte. Damals mussten große Teile des Chemnitztalradweges zwischen der Brücke Fischweg und der Heinersdorfer Straße wieder instandgesetzt werden. Für diese Sanierung investierte die Stadt Chemnitz 195.000 Euro, die Arbeiten dauerten von November 2014 bis Sommer 2015. (4)

Blick in Richtung Bornaer Straße und Gewerbepark A4 (2016) Blick in Richtung Bornaer Straße und Gewerbepark A4 (2016)


 
Stadt Chemnitz - Bornaer Straße bis Heinersdorfer Straße

Nachdem wir dann die Bornaer Straße überquert haben, erblicken wir rechterhand in der Chemnitzaue das Gelände mit dem Gewerbepark A 4. Von 1972 bis 1975 als VEB Starkstromanlagenbau Karl-Marx-Stadt errichtet, später VEB NUMERIK, Siemens und Gewerbegebiet KIREMUN. (5)

Blick zurück zum Gewerbepark A4 und zum Lulatsch (2016) Blick zurück zum Gewerbepark A4 und zum Lulatsch (2016)


Wenden wir den Blick wieder nach vorn, sehen (und hören) wir die Erklärung für den Namen des Gewerbeparks: Die Autobahn A4 überquert auf einer 235 Meter langen Brücke das Chemnitztal. Bevor wir die Autobahn erreichen erstreckt sich auf der linken Seite eine Große Wiese. Hier stand bis zum Ende des 19. Jahrhundert die Ruine der Blankenburg. Mit der nach 1871 einsetzenden Gründerzeit und der damit verbundenen Bauwut wurde die Ruine abgetragen und die Bruchsteine für den Grund der zu erstellenden Gebäude in der Stadt Chemnitz verwendet. (10)

Autobahnbrücke A4 über das Chemnitztal (2016) Autobahnbrücke A4 über das Chemnitztal (2016)


Wir fahren unter dieser Brücke durch, erklimmen eine minimale Steigung und finden uns nach einer kleinen Kurve endlich auf der Bahntrasse der ehemaligen Chemnitztalbahn. Die Natur hat sich hier den ehemaligen Schienenweg schon zurückgeholt und man kann den früheren Gleisweg in Richtung Chemnitz nur noch erahnen.

Hier münden der Chemnitztalradweg und der ehemalige Schienenweg der Chemnitztalbahn (hier schon zu gewuchert) zusammen Hier münden der Chemnitztalradweg und der ehemalige Schienenweg der Chemnitztalbahn (schon zu gewuchert) zusammen (2021)


Sollten jetzt verdächtige Gerüche die Nasen kitzeln, verdächtigen Sie bitte nicht Ihre Reisebegleitung oder entgegenkommende Spaziergänger. Linkerhand arbeitet die zentrale Kläranlage Chemnitz-Heinersdorf und könnte einen Anteil am Nasenalarm haben. Allerdings ist das inzwischen eher unwahrscheinlich, denn dabei handelt es sich um eine hochmoderne Anlage der eins energie in sachsen GmbH & Co. KG. Durch ein ausgeklügeltes Kanal- und Rohrsystem gelangt das Abwasser der Stadt Chemnitz sowie auch aus Teilen des Umlandes in diese zentrale Kläranlage. Hier wird das Abwasser gesammelt, behandelt und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt. Nach einer mechanischen und biologischen Reinigung wird das Wasser in den Fluss Chemnitz abgeleitet. (6)

Zentrale Kläranlage Chemnitz-Heinersdorf (2016) Zentrale Kläranlage Chemnitz-Heinersdorf (2016)


Auch die Kläranlage lassen wir hinter uns und überqueren die Heinersdorfer Straße. 2017 sausten die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren auf ihren Rennrädern hier vorbei ins Chemnitztal, dann bis nach Altmittweida und wieder zurück. Champion wurde Tony Martin mit einer Zeit von 54:16 Minuten.

 
Stadt Chemnitz - Heinersdorfer Straße bis Wittgensdorf (Untere Hauptstraße)

Nicht nur für Wissensdurstige sind die Schautafeln am Wegesrand interessant. Finden sich doch auf ihnen viele Informationen über die Natur am Chemnitztalradweg.

Schautafel am Chemnitztalradweg in Höhe der Heinersdorfer Straße (2016) Schautafel am Chemnitztalradweg in Höhe der Heinersdorfer Straße (2016)


Städtische Bauten und Industriegebiete von Chemnitz verschwinden und wir bewegen uns auf Wittgensdorf, seit 1999 zu Chemnitz gehörend, zu. Die Gebäude des Bahnhofs Wittgensdorf (Unterer Bahnhof bzw. Station Unterwittgensdorf) sind noch erhalten werden aber zu anderen Zwecken genutzt. Weitere Zeugen der industriellen Bedeutung des Tales, wie beispielsweise die großen Fabrikgebäude der Diamantschwarzfärberei Louis Hermsdorf sucht man heute vergebens. Weltweit bekannt wurde die Region unter anderem durch die Erfindung des Diamantschwarzes im Jahr 1892. Die von Louis Hermsdorfs entwickelte schwarze Farbe, genannt Diamantschwarz, wurde zum Modehit für Strümpfe. Kaum vorstellbar, dass hier einmal Fabrikanlagen standen, in denen bis zu 1000 Beschäftigte ihr Tagwerk vollbrachten und die damals sogar der sächsischen König Friedrich August besuchte. (7)

Gebäude des Bahnhofs Wittgensdorf (Unterer Bahnhof bzw. Station Unterwittgensdorf - 2016) Gebäude des Bahnhofs Wittgensdorf (Unterer Bahnhof bzw. Station Unterwittgensdorf - 2016)


Nur ein verfallenes Gebäude, abgelegen rechts neben dem Chemnitztalradweg, einst als "Hoffmannsche Spinnerei" gegründet, erinnert hier noch an die Zeit der Textilfabriken in Sachsen. Diese stillgelegte Spinnerei wurde später auch als Wohnhaus für die Arbeiter der Diamant-Schwarzfärberei Hermsdorf genutzt und ist aktuell nur noch eine Ruine. (8)

Das Gebäude der "Hoffmannschen Spinnerei", später im Volksmund als "Lumpenburg" bezeichnet Das Gebäude der "Hoffmannschen Spinnerei", später im Volksmund als "Lumpenburg" bezeichnet


 
Wittgensdorf (Untere Hauptstraße) bis Köthensdorfer Hauptstraße

Aber weinen wir der alten Zeit nicht zu viele Tränen nach sondern konzentrieren uns auf die Gegenwart. Diese führt den Radweg nun über die Chemnitz auf einen Tunnel zu. Hier schlägt der Lauf der Chemnitz einen Bogen um das Felsmassiv, so dass die Bahntrasse dem Fluss nicht mehr folgen konnte und ein 126 Meter langer Tunnel durch den Fels getrieben werden musste. Für diesen Tunnel sind mehrere Namen im Umlauf: Auerswalder Tunnel, Köthensdorfer Tunnel oder auch Schustersteintunnel. Für die Nutzung als Radweg ist der Tunnel ausgebaut und mit Beleuchtung versehen worden.

Auerswalder Tunnel bzw. Köthensdorfer Tunnel oder auch Schustersteintunnel (2016) Auerswalder Tunnel bzw. Köthensdorfer Tunnel oder auch Schustersteintunnel (2016)


Nachdem wir den Tunnel passiert haben, überqueren wir erneut den Chemnitzfluss und haben nun die Möglichkeit den Radweg zu verlassen. Über die 2017 neu errichtete und 105 Meter lange Hängebrücke können wir zum einen den gleich an der Brücke liegenden Auerswalder Mühlenkeller besuchen oder das Naturschutzgebiet "Am Schusterstein" erkunden. Da sich das Schutzgebiet auf beiden Seiten des Flusses hinzieht, kann die Erkundung des jenseitigen Ufers vom Mühlenkeller aus erfolgen.

Die 2017 neu errichtete, 105 Meter lange Hängebrücke überspannt bei Auerswalde die Chemnitz (2021) Die 2017 neu errichtete, 105 Meter lange Hängebrücke überspannt bei Auerswalde die Chemnitz (2021)


Oder man verlässt den Radweg nicht über die Hängebrücke sondern begibt sich nach links, da sich der "Schusterstein" auf dieser Uferseite befindet. Der "Schusterstein", ein markant vorspringender Fels des Berges, war früher als "Katzenstein" bekannt. Der Namen "Schusterstein" hat der Felsen von Gottlob Rudolph, "Starklob" genannt, erhalten. Gottlob Rudolph war ein Schuhmacher, der an schönen Sommertagen auf dem beschriebenen Felsen sein Handwerk (Schuhmacherei bzw. Schusterei) betrieb. (8)

Felsformation Schusterstein (2003) Felsformation Schusterstein (2003)


Wir bleiben aber heute auf dem Chemnitztalradweg und bewegen uns weiter zum ehemaligen Haltepunkt Auerswalde-Köthensdorf, der wieder einen schönen Anblick bietet. Die gesamte Anlage wurde mit viel Aufwand saniert und präsentiert sich nun stolz dem Betrachter. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt und daneben existieren noch der Bahnsteig, ein 260 Meter langes Gleisstück sowie ein kleines Pissoirgebäude. Das ganzes Ensemble des einstigen Bahnhofs Auerswalde-Köthensdorf hat 2020 sogar den Denkmalpreis des Landkreises Mittelsachsen erhalten. (9) Wer Energie tanken möchte kann sich beim hier befindlichen Imbiss "16.2 Zum Dampfkessel" stärken. Wer dagegen überschüssige Energie loswerden möchte, kann mit der Fahrraddraisine die 260 Meter Gleis befahrbaren.

Am ehemaligen Haltepunkt Auerswalde-Köthensdorf (2016) Am ehemaligen Haltepunkt Auerswalde-Köthensdorf (2016)


Gestärkt oder erschöpft machen wir uns wieder auf den Weg. Der Chemnitztalradweg führt nun am unteren Ortsrand von Köthensdorf vorbei. Hier kreuzt der Radweg die Köthensdorfer Hauptstraße und rechts erblicken wir das Gebäude der ehemaligen "Trikotagenfabrik Doppelmoppel". Dieses 1860/1861 errichtete Fabrikgebäude erlebte seine Blütezeit nach dem Kauf durch Kommerzienrat Rathgeber im Jahre 1902. Die Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter kamen damals aus den umliegenden Ortschaften wie Garnsdorf, Auerswalde, Wittgensdorf, Draisdorf und Glösa zumeist mit der Chemnitztalbahn oder mit dem Fahrrad. (8) Nach den Wendejahren konnten beim Fabrikverkauf an dieser Stelle noch preiswert Kleidungsstücke erworben werden, inzwischen ist aber auch hier gespenstige Ruhe eingezogen.

Fabrikgebäude "Doppelmoppel" Köthensdorf-Reitzenhain (2016) Fabrikgebäude "Doppelmoppel" Köthensdorf-Reitzenhain (2016)


 
Köthensdorfer Hauptstraße bis Markersdorf / Chemnitztal

Nächstes auffälliges Objekt am Wegesrand ist dann das Umspannwerk Köthensdorf, welches dem Radweg zur linken liegt aber inzwischen außer Betrieb ist.

ehemaliges Umspannwerk Köthensdorf (2016) ehemaliges Umspannwerk Köthensdorf (2016)


Haben wir das ehemalige Umspannwerk passiert und blicken nach rechts über die Chemnitz, fällt es schwer zu glauben, dass hier vor vielen Jahren geschäftige Tätigkeit im Gange war und auf der anderen Uferseite, hinter der Chemnitztalstraße, ein Steinbruch betrieben wurde. Nur ein paar Fundamentreste neben dem Chemnitztalradweg sind noch stumme Zeugen, dass zum Beispiel mit einer Art Schwebebahn die Steine über die Straße und die Chemnitz zur Bahnverladestelle befördert wurden. Auf der idyllischen Flussauenwiese finden sich bei schönem Wetter oftmals Erholungssuchende, die hier unbeschwert die wärmenden Strahlen der Sonne genießen.

Links des Wegs wachsen jetzt Felswände empor an denen sich im Winter phantastische Eisfiguren bilden. Möglicherweise wohnt ja hier die Eisprinzessin. ;-) Eine kurze Strecke führt der Radweg jetzt an der Felswand entlang durch das hier immer enger werdende Chemnitztal.

Phantastische Eisfiguren im Winter 2004 Phantastische Eisfiguren im Winter 2004


Langsam aber sicher nähern wir uns Markersdorf. Am Ortseingang wechselt der Radweg erneut die Flussseite. Von dieser Brücke lässt sich noch der König-Albert-Felsen erkennen, an dem früher eine Büste des sächsischen Monarchen stand und auf dessen Gipfel der Obelisk zur Einweihung der Chemnitztalstraße thront. Auf den nächsten Metern rücken die Bundesstraße B107 und der Radweg eng zusammen.

Ortseingang Markersdorf - Bundesstraße B107 und Chemnitztalradweg laufen parallel eng beieinander (2016) Ortseingang Markersdorf - Bundesstraße B107 und Chemnitztalradweg laufen eng beieinander (2016)


Die Wohngebäude zur rechten gehören allesamt zur sogenannten Kolonie, einer Arbeiterwohnsiedlung die der Besitzer der GROMA Herr Gustav Friedrich Grosser Anfang des 20. Jahrhunderts für seine Fabrikarbeiter, in zwei Etappen, errichten ließ.

Die GROMA - Ein Stück Markersdorfer Industriegeschichte Die GROMA - Ein Stück Markersdorfer Industriegeschichte - Hier finden Sie mehr Informationen


Der Chemnitztalradweg läuft nun parallel zur Straße, nähert sich dieser am Ende der Kolonie direkt an und ist schlussendlich nur durch Geländer und Leitplanken davon getrennt. Über die Straße sind hier die beiden Markersdorfer Steinbrüche hinter den Bäumen erkennbar. Im Sommer wird der Radweg leider immer wieder als Parkplatz von von badewütigen Steinbruchbesuchern missbraucht, obwohl ein Betreten der Steinbrüche natürlich verboten ist. Asche aufs Haupt, als Heranwachsender war ich natürlich auch mit von der Partie. Trotzdem ist dies natürlich lebensgefährlich und, wie schon erwähnt, verboten.

Chemnitztalradweg in Höhe der Markersdorfer Steinbrüche (2016) Chemnitztalradweg in Höhe der Markersdorfer Steinbrüche (2016)


An der nun folgenden Ampelkreuzung, die nach dem Abriss der "Bahnnase" die Chemnitztalstraße auf die Straße von Limbach nach Mittweida einmünden lässt, endet der 2017 eröffnete Bauabschnitt des Chemnitztalradweges. Zeit also Innezuhalten und die Gelegenheit zu nutzen, um hier den Museumsbahnhof Markersdorf-Taura zu besuchen.

Museumsbahnhof Markersdorf-Taura


Über die Mittweidaer Straße gelangen wir zum Rastplatz an der Straße „Zur alten Mühle“. Als Besonderheit wartet dieser Rastplatz neben einem Kletter- und Spielbereich für Kinder mit einem „Outdoor Fitnesspaucours“ auf. Wem also die Anstrengungen bis hierher noch nicht ausreichend waren, der kann dort „Dampf ablassen“. Zudem sind Sitzgelegenheiten, ein paar wenige PKW Stellplätze sowie Fahrradstellplätzen mit Anlehnbügeln vorhanden.

Wenn wir zum Museumsbahnhof Markersdorf schauen, bemerken wir, dass wir uns nun nicht mehr auf der Bahntrasse befinden. Denn erst dort findet sich das verzweigte Schienennetz des ehemaligen Bahnhofs. Zum Glück haben einige engagierte Bürger aus den umliegenden Gemeinden mit Elan und Ausdauer zumindest dieses Teilstück der Bahnstrecke erhalten. Auf dem Museumsbahnhof Markersdorf-Taura zeigte der Verein Eisenbahnfreunde Chemnitztal e.V. (https://www.chemnitztalbahn.de) ein Stück Bahngeschichte und die Trasse der Chemnitztalbahn kann hier mit dem Schienentraktor sogar bis nach Diethensdorf befahren werden.

Das nun folgende Teilstück des Chemnitztalradweges, welches ebenfalls bis nach Diethensdorf führt, ist leider noch nicht offiziell freigegeben worden. Daher gilt aktuell noch:

Schild "Ende des befahrbaren Radweges"

Aber: Fortsetzung folgt (sicherlich)...


Quellen:

  • (1) Zweckverband „Chemnitztalradweg“ (www.chemnitztalradweg.de)
  • (2) https://www.lds.sachsen.de/?ID=7042&art_param=371 (aufgerufen am 23.02.2021)
  • (3) https://de.wikipedia.org/wiki/St.Jodokus(Chemnitz-Gl%C3%B6sa) (aufgerufen am 18.03.2021)
  • (4) https://www.adfc-chemnitz.de/news/old.php?J=2015 (aufgerufen am 23.02.2021)
  • (5) http://www.blankenauergrund.de/index.php/ortsteile-im-blankenauer-grund/3-gloesa (aufgerufen am 18.03.2021)
  • (6) https://www.eins.de/%C3%BCber-eins/infrastruktur/zentrale-kl%C3%A4ranlage/ (aufgerufen am 18.03.2021)
  • (7) http://www.wittgensdorf.de/wp-content/uploads/Entwicklung-von-Handwerk-u.Industrie-Teil-2.pdf (aufgerufen am 18.03.2021)
  • (8) https://www.wittgensdorf.de/wp-content/uploads/2020/12/Emil-Mueller-Teil-1.pdf (aufgerufen am 20.03.2021)
  • (9) https://www.landkreis-mittelsachsen.de/das-amt/neuigkeiten/denkmalpreis-des-landkreises-geht-an-sanierer.html (aufgerufen am 19.03.2021)
  • (10) Die Ruine der Blankenburg, Emil Müller Köthensdorf Reitzenhain, 1955

 
Karte auf OpenStreetMap

Chemnitztalradweg auf OpenStreetMap (2021)

Link zur Karte: https://www.openstreetmap.org/directions?engine=graphhopper_bicycle&route=50.8471%2C12.9212%3B50.9257%2C12.8540#map=13/50.8865/12.8902


© F. Schramm 2021