Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,
ich versuche laut zu sprechen, aber ich glaube wir
schaffen es nicht hier weiter aufzudrehen. Ich möchte Ihnen
bekannt geben, daß wir gezählt haben, wir sind über
800 Mann und Frauen und Kinder. Man kann uns nicht einfach überhören.
Ich spreche zu Ihnen hier als Vertreterin des Vereines für
verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und
Umgebung e. V. . Wir haben uns 1994 zu einem Verein zusammengefunden
weil wir Probleme hatten mit dem ersten Steinbruch der hier aufgemacht
wurde, oder der zweite war es besser. Wir sind Mitglied der Gesteinsinitiative
e. V. und der Grünen Liga. Das ist die Vereinigung aller Umweltverbände
auf dem Gebiete Ostdeutschlands.
Auf unserer Einladung stand: "Heimat ist unverkäuflich!"
In einer Zeit in der die Welt immer beliebiger und immer schneller
wird, kommt es immer mehr Menschen vor, als müssen Sie sich
wieder etwas mit Ihrer Heimat beschäftigen. Und Heimat ist
nicht einfach nur etwas sentimentales oder ein altmodischer Begriff.
Die hier lange leben und die vielleicht auch einmal lange fort waren,
die wissen, daß Heimat eigentlich die Summe der Identifikationspunkte
einer Landschaft sind. Das sind die Höhenzüge, die Bergrücken,
das sind die Wälder die hier sind, das sind aber auch Häuser
und Anhaltspunkte an denen wir unsere Heimat immer wiedererkennen.
Wenn wir das zulassen, was man hier mit uns vorhat,
werden unsere Kinder oder wir selbst unsere eigene Heimat nicht
wiedererkennen. Für den Erhalt unserer Heimat einzutreten ist
also auch unser gutes Recht und meines Erachtens auch unsere Pflicht.
Wir haben in den letzten Monaten, wie der Bürgermeister schon
sagte, über Tausend Unterschriften gesammelt und jeder hat
sich dabei etwas gedacht. Und jetzt sind wir hier um das mit unserer
Person zu bekräftigen, daß wir hier sind und sagen :
"Wir wollen das nicht!" Wir haben in Übereinstimmung
dieses, mit dem Gemeinderat und mit den drei Bürgermeistern
der umliegenden Gemeinden getan, so daß also eine Einheit
hier da ist, die woanders in anderen Bürgerinitiativen sicher
nicht immer in gleicher Weise zu sehen ist.
Im Einigungsvertrag wurde dieser Passus mit der Begründung
reingebracht: Wir müßten doch den Aufbau Ost ganz schnell
bewältigen. Wir sagen hierzu: Die Westdeutschen sind mit ihrem
Bergrecht auch gut zum Aufbau West gekommen, also hätten wir
das auch so geschafft.
Leider Gottes ist es nun so gekommen, daß wir
praktisch zu einem riesigen, gewaltigen, rücksichtslosen Ausverkauf
unserer Landschaft gekommen sind, mit dem Ergebnis von Überproduktion,
ruinösen Wettbewerb und Landschaftszerstörung, weil die
Kräfte des Marktes, die sonst immer viel beschworen wurden,
in diesem Falle außer Kraft gesetzt wurden. Allein in unseren
Orten, der Bürgermeister hat eine andere Zahl gesagt als ich,
aber beide Zahlen stimmen, weil ich nämlich sämtliche
Felder zusammengezählt habe, die hier, inklusive Claußnitz,
Königshain sind. Da haben wir zusammen 585 ha, die entweder
schon da sind, oder in der Zukunft kommen sollen.
Mit dem Abbau aber kommt Lärm. Und ich als Ärztin
kann Ihnen sagen: Lärm macht krank! Lärm macht Herzkreislaufprobleme,
Herzinfarkt, Schlaganfall, der sogenannte Tinnitus, erhöhte
Asthmabereitschaft bei Kindern und macht müde und macht Unwohlsein.
Es gibt jetzt schon durch den erhöhten Straßenverkehr
keine Stille mehr bei uns. Der Lärm, die Erschütterungen
beim sprengen, der Lärm den wir alltäglich um uns haben,
der wird immer stärker und auch die Brechwerke, von denen man
erst gesagt hat, daß sie uns gar nicht stören, die sind
nicht eingehaust. Und doch haben wir ständig die Brechwerke
in unseren Ohren, auch wenn es mal nachmittags Sonnabends ruhig
sein soll.
Die beiden Bergwerksfelder "Bernd" und "Hugo"
vor denen wir hier protestieren, sind zusammen fünfeinhalbmal
großer als die Westsächsische derzeit. Da können
Sie sich ein Ausmaß machen, wie groß die Löcher
würden. Wir haben es dann also nicht mehr mit Bergen zu tun,
sondern mit großen Kratern. Es handelt sich also um eine gigantische
Landschaftszerstörung, und der wollen wir hier nicht tatenlos
zusehen. Bisher sind bei den bereits bestehenden Bergwerksfeldern
keinerlei Aktivitäten der Betriebe zu sehen, eine schöne
Landschaft wieder herzustellen. Das wird uns ja immer versprochen,
es wird gesagt: Ihre kriegt dann lauter Ökosysteme, wir können
uns dann nicht mehr retten vor Ökosystemen. Aber schon die
Vorhergehenden haben die Leute betrogen, haben gesagt: Ihr kämpft
für die bessere Zukunft Eurer Kinder. Und wir wollen das nicht
mehr mitmachen, das man uns immer bessere Zeiten für die nächste
Generation verspricht.
Unser Kirchsteig wurde verlegt, das wissen Sie auch,
auf dem kann man nicht mehr gut gehen, er ist unfreundlich, er ist
auch unangenehm. Angesichts des großen politischen Fehlers
der gemacht wurde, verlangen wir wenigstens eine Wiedergutmachung
oder das Bemühen der Verantwortlichen, jetzt in der Situation
etwas für uns zu tun. Ich habe hier neun Punkte aufgeschrieben:
- Wir erwarten das die Unternehmer vor Neuaufschlüssen nachweisen
müssen, daß ein echter Bedarf an eben diesen Rohstoffen
vorhanden ist. Hierzu soll erst mal geprüft werden, wie viel
von den Steinbrüchen arbeiten denn voll und wie viel liegen
halt brach oder wie viel Halden sind da.
- Wir erwarten, daß sich die Umweltämter und das staatliche
Umweltfachamt für ihre Landschaft und für ihre Landschaftsschutzgebiete
auch aktiv einsetzen. Dafür werden sie nämlich gut bezahlt.
- Wir erwarten, daß sich die Landwirtschaftsämter für
ihre Bauer einsetzen und für ihren Ackerboden.
- Wir erwarten, daß die Planungsbehörden zum Wohle
der Gemeinden planen und nicht reine Erfüllungsgehilfen von
Gesetzen sind, die 1990 eilig auf den Weg gebracht und in ihren
Auswirkungen nicht bedacht wurden.
- Wir erwarten, daß man sich über zumutbare Transportmengen,
Transportwege und Transportarten mehr Gedanken macht und nicht
nur einfach verlangt, daß die Bevölkerung das duldet.
- Wir erwarten, das Sachsen den geschädigten Kommunen einen
Teil der Förderabgaben abtritt, und das daß praktisch
als Ausgleich für die Lasten zur Verfügung gestellt
wird, die diese Gemeinden tragen.
- Wir fordern, das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden ein.
- Und dann fordern wir noch, das elf Jahre nach der förmlichen
Einheit Deutschlands die Menschen in Ost und West gleich behandelt
werden und Schluß ist mit der Androhung von Flächeninanspruchnahmen.
- Wir fordern, daß nicht Raubbau sondern ein Kreislauf Wirtschaft
unsere Zukunft in der Wirtschaft bestimmen wird.
Wir haben eine elegante Lösung für das Problem:
Lassen wir die Bodenschätze ruhen, bis spätere Generationen
diese dringend benötigen.
Fazit: Wir brauchen keinen "Hugo" und keinen
"Bernd" und wir brauchen auch nicht die großen Sandfelder
in Königshain-Wiederau und Altmittweida.
Wir haben alle nur eine begrenzte Zeit auf der Erde
zu leben, und diese Zeit wollen wir auch für uns nutzen. Denn
irgendwann ist sie zu Ende. Der Herr Goethe, ein alter Herr aus
alten Zeiten, der hat mal gesagt:
Über allen Gipfeln ist Ruh`
In allen Wipfeln spürest du,
kaum einen Hauch,
die Vögelein schweigen im Walde,
warte nur, balde ruhest du auch.
Daran sollten Sie immer denken.
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