Liebe Anwesende,
das Abbaufeld "Hugo" hat uns hier in Markersdorf
zusammengeführt. Die Nutzung des Bodens durch Ackerbau erfolgt
weltweit schon achttausend Jahre. Unsere Dörfer wurden vor
ca. tausend Jahren besiedelt. Eine lange Zeit. Tausend mal konnten
wir ernten. Heute stellt sich die Frage: Wie viele Ernten kann uns
dieser Acker noch liefern? Das hängt von uns ab, oder wir überlassen
das Feld "Hugo". Viele Generationen haben sich der Vorräte
unseres Planeten bedient und genießen den Wohlstand. Nicht
alle Dinge die wir verbrauchen sind unendlich vorhanden. Das betrifft
auch unseren landwirtschaftlich nutzbaren Boden. Unser Wohlstand
verlängert unsere Lebenserwartung, wir sind einige Jahre länger
Konsumenten und essen mit zunehmendem Alter nur gute Qualität
an Lebensmitteln. Wer will schon vom Rind die BSE übertragen
haben? Mit Aufwand produziert, wird vieles heute vernichtet. Die
Anzahl der Menschen steigt, die Verdoppelung der Weltbevölkerung
erfolgt in immer kürzeren Zeitabstand. Auf unserer Erde gibt
es schon lange keine unerforschten und ungenutzten Flächen
mehr. Bei all dem Wachstum hat unser Planet das Nachsehen, denn
ihm ist es nicht vergönnt mitzuwachsen.
Nun eine nicht so medienwirksame Information:
Der Weltbericht 2000, Hunger und Unterernährung,
veröffentlicht von den Vereinten Nationen, stellt fest, dass
die Nahrung noch immer vielen Menschen ein äußerst knappes
Gut ist. 826 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen und hungern.
Damit nenne ich nur einige Gründe, heute und hier zu protestieren.
Die Abbaufelder für Gestein "Hugo" und "Bernd"
vor unserer Haustür, haben uns gerufen, aber wir wollen weder
"Hugo" noch "Bernd". Hier geht es nicht um das
Wetter, um ein Tiefdruckgebiet, welches mit harmlosen Namen benannt,
uns so manche Woche Urlaub oder Erntewetter verdirbt. Für das
unabänderliche, aber mit der Gewissheit, dass dieses schon
von schönem Wetter abgelöst wird. Kommen "Hugo"
und "Bernd", haben wir die Gewissheit, dass sie bleiben
mit allen Konsequenzen für uns und für unsere Kinder und
Enkel. Wenn man wie ich, fünfundvierzig Jahre seines Lebens
als Landwirt den Boden bestellt und geerntet hat, und das im Umfeld
von Steinbrüchen in Diethensdorf und Claußnitz, kennt
man die negativen Wirkungen auf die angrenzenden Felder. Die Flächenausdehnung
der geplanten Steinbrüche ist zu den vorhandenen um ein mehrfaches
größer.
Ein weiteres Argument, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.
Ich kann es nicht beurteilen, wie viele da geschaffen werden, aber
beurteilen kann ich, den Verlust zu Zeit vorhandener Arbeitsplätze.
Mit dem Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche von ca. 100
ha verlieren wir drei Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und
zwölf Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich
der Wirtschaft. Boden ist die Basis unserer Existenz und bestimmt
vorrangig mit, in welchem Umfang pflanzliche und tierische Produktion
maximal in unserem Betrieb produziert werden kann. Die Zahl der
zu haltenden Tiere und der Anbau von Feldfrüchten ist an die
zur Verfügung stehende Fläche gebunden. Die Menge und
Qualität tierischer Produkte und der Erträge der Feldkulturen
ist die Meßlatte unserer Leistungsfähigkeit als Bauern.
Die Erhaltung der Landwirtschaftlichen Nutzfläche und die Mehrung
der Bodenfruchtbarkeit ist für unsere Existenz eine wichtige
Aufgabe. Nach all den allgemeinen Vorschriften des Bundesbodenschutzgesetzes,
ist geregelt, welche Rechte und Pflichten wir zur Bodennutzung haben.
Am Anfang steht folgende Formulierung: Unsere Vorsorgepflicht
ist es, durch gute fachliche Praxis die landwirtschaftliche Bodennutzung
zu sichern. Der Boden ist nicht vermehrbar. Der Schutz des Bodens
vor schädlichen Veränderungen ist daher von hoher gesellschaftlicher
Bedeutung und eine vordringliche Aufgabe.
"Hugo" und "Bernd" berufen sich
auf ein Recht, welches im Einigungsvertrag ein Stück DDR-Gesetzgebung
herübergerettet hat. Viele Generationen unserer Bürger
sind Besitzer von Grund und Boden. Dieses Eigentumsrecht hat auch
40 Jahre Sozialismus überstanden. Leider ist neben so vielen
positiven Dingen, die uns die Einheit Deutschlands gebracht hat,
auch die Regelung aus der DDR zu Bodenschätzen mit vererbt
worden. Im Einigungsvertrag sind die Kies und Gesteinsvorkommen
anders wie in den Altbundesländern zu Staatseigentum erklärt
worden. Die Besitzer von Boden wurden, auch in unserer Gemeinde,
40 cm unter der Bodenoberfläche enteignet. Die Abbaufelder
waren handelbar und fanden schnell einen neuen Besitzer. In unserem
Fall Heidelberger Zement.
Bodeneigentum im Widerspruch zu Besitzern in den alten
Bundesländern! Im Unterschied regelt der gleiche Einigungsvertrag
das getrenntes Eigentum an Grund und Boden zu Gebäuden, baulichen
Anlagen, Eigenheimen, in einem vertretbaren Zeitraum zusammengeführt
wird. Zwei Regelungen in einem Vertrag mit total entgegen gesetzter
Wirkung. Das Bodeneigentum erhält in einem Fall zwei Besitzer,
im zweiten Fall werden aus zwei Besitzern einer. Das kann doch nur
ein Fehler sein, der zu korrigieren ist. Betrachten wir nun zwei
Klassen von Landeigentümer, die daraus entstanden sind. Die
Ersten haben von diesen neuen Mitbesitzern ihres Boden sehr spät
erfahren, lange nach dem die Abbaurechte einen neuen Besitzer gefunden
hatten. Ein Miteigentümer der nicht im Grundbuch verzeichnet
ist. Landeigentümer mit einem staatlich sanktionierten Kuckuck
im Nest, der sein Ei unterhalb der Ackerkrume gelegt hat. Wie in
der Tierwelt ist der ausgeschlüpfte junge Kuckuck stark genug
und haut alle anderen aus seinem Nest. Praktisch werden die Besitzer
genötigt zu verkaufen oder am Ende einer nervenraubenden Prozedur
werden sie enteignet.
Soweit wird unsere Bürgerinitiative das nicht
kommen lassen. Wir werden die Inanspruchnahme unseres Bodens für
Kies- und Steingewinnung verhindern. Es gibt keine Zustimmung der
Besitzer des Boden und der Menschen unserer Gemeinden.
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