Sehr geehrte Einwohner unserer Region, verehrte Gäste,
ich möchte Sie alle recht herzlich zum heutigen
Sternmarsch gegen den massiven Bergbau in unserer heimatlichen Region
auf der Fläche des Bergwerksfeldes "Hugo" in Markersdorf
begrüßen, und ich freue mich, daß Sie trotz dieses
schlechten Wetters alle den Weg hierher gefunden haben. Dafür
möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Es zeigt
uns und uns allen, wie wichtig dieses Anliegen doch für Sie
ist.
Ich möchte ganz besonders herzlich begrüßen,
das Mitglied des Landtages Herrn Dr. Peter Jahr, unseren Landrat
Herrn Dr. Schramm, den Bürgermeister der Gemeinde Taura Herrn
Klaus Vivus, den Bürgermeister Johannes Voigt aus Königshain-Wiederau,
die Gemeinderäte aus unseren Gemeinden, aber auch ganz wichtig,
alle Einwohner der Gemeinden Claußnitz, Taura, Königshain-Wiederau
und der umliegenden Ortschaften, sowie alle Gäste und die Vertreter
der Medien.
Es ist mir ein Bedürfnis, mich zu Beginn ganz
besonders bei all denjenigen zu bedanken, die mit Rat und Tat bei
der Vorbereitung und der Durchführung dieser Veranstaltung
mitgeholfen haben. Sowohl die Bürgermeister und Gemeinderäte
von Claußnitz, Taura, Königshain-Wiederau, als auch unsere
Bürgerinnen und Bürger, insbesondere die Mitglieder des
Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes in
Claußnitz und Umgebung e.V., stehen gemeinsam gegen die Konzentration
des Bergbaus in unserer Heimat.
Ich möchte Sie zunächst über den weiteren
Ablauf dieser Veranstaltung informieren. Nach meiner Ansprache wollen
wir gemeinsam ein Lied singen: "Bunt sind schon die Wälder".
Es werden jetzt soeben die Texte dazu noch ausgeteilt und unser
Posaunenchor der wird uns hier kräftig mit unterstützen
dabei. Danach bitte ich Herrn Landrat Dr. Schramm für ein paar
Worte an uns, danach wird Frau Dr. Helga Otto, die Vorsitzende des
Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes in
Claußnitz und Umgebung sprechen. Wir hören dann ein kurzes
Musikstück vom Posaunenchor und danach wird Herr Gottfried
Donner aus der Sicht der Landwirtschaft seine Anmerkungen zum Bergbau
machen. Nach einem weiteren Musikstück wird noch Pfarrer Christian
Schmidt aus seiner christlichen Sicht zu uns sprechen. Und zum Abschluß
wollen wir gemeinsam noch das Lied "Kein schöner Land"
singen.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen
und Schüler,
"Wir haben die Welt nicht von unseren Vätern
ererbt, sondern von unseren Kindern geliehen", das sagt ein
altes indianische Sprichwort. Wir stehen heute und hier gemeinsam
in der Verantwortung, den Lebensraum in unserer Heimatregion als
Grundlage für das Leben und die Ernährung zu schützen
und zu erhalten. In unserer Region ist eine erhebliche Konzentration
von bestehenden und geplanten Abbaustandorten vorhanden. Schon in
den vergangenen Jahrhunderten, das weiß jeder, wurden hier
Steinbrüche und Kiesgruben betrieben. Auch unser Gemeinderat
in Claußnitz mußte sich in den letzten Jahren schon
oft mit Stellungnahmen zu bergbaulichen Betriebsplänen befassen.
Zur konkreten Situation in der Region:
Zwei Steinbrüche arbeiten bereits in unserer
Gemeinde, die Westsächsischen Steinwerke in Diethensdorf und
die Schotter und Splittwerke Altenhain, Werk Markersdorf. Beide
Betriebe stehen im Landschaftsschutzgebiet Mulden und Chemnitztal.
Weiterhin betreibt die Firma Delling Bau GmbH eine kleine Sandgrube
für den betrieblichen Eigenbedarf in Röllingshain. Für
das geplante Kiesabbauvorhaben in Königshain, Altmittweida
und Claußnitz, die Bergwerksfelder umfassen insgesamt eine
Fläche von ca. 263 ha, steht das Planfeststellungsverfahren
vor der Tür. Auch unser bekannter Königshainer Wald ist
bedroht. Der gesamte südliche Teil ist von einem Bergwerksfeld
überlagert, welches im Treuhandeigentum ist. Die Bergbaufelder
"Bernd" in Taura mit 120 ha und "Hugo" mit 71
ha hier in Markersdorf seien abschließend genannt.
Ich habe immer die Meinung vertreten, und damit stehe
ich auch nicht allein da, daß man nicht jeglichen Bergbau
ablehnen kann. Baustoffe werden dringend für den Aufbau unserer
Region benötigt. Aber, die erhebliche Konzentration der vorhandenen
und geplanten Bergwerksfelder in unserer Heimatregion führt
zu einer Einschränkung der Lebensqualität unserer Bürger
und behindert die Entwicklung der Gemeinden in der Region. Ich möchte
nur zwei Beispiele aus kommunaler Sicht nennen :
- Unsere Gemeinde hat, mit EU-Mitteln gefördert, hier in
unmittelbarer Nachbarschaft die ehemalige Russenkaserne abgerissen.
Der Gemeinderat plant als Nachnutzung ein Wohngebiet. Wer möchte
aber hier ein Grundstück kaufen und sich neben einem Steinbruch
sein Haus bauen? Der Marktwert der Grundstücke geht gegen
Null.
- Die Wohnhäuser in der Siedlung Chemnitztalstraße
wurden ebenfalls mit umfangreichen öffentlichen Mitteln gefördert,
saniert. Die Vermietbarkeit ist bei einem benachbarten Steinbruch
in Frage gestellt
Mit über 1000 Unterschriften haben sich besorgte
Bürger gegen die Einzeichnung der Bergwerksfelder in den Entwurf
unseres Flächennutzungsplanes gewandt. Die Rechtslage ist allerdings
so, daß ein Flächennutzungsplan ohne nachrichtlich übernommene,
bestehende Bergwerksfelder, nicht genehmigungsfähig ist. Uns
blieb nur die Möglichkeit, den Plan zur Zeit nicht zu beschließen,
um den Bürgerwillen zu entsprechen. Durch diese Rechtslage
werden die Gemeinden gehindert dem Planungswillen des Gemeinderates
und der gesamten Bürgerschaft zu entsprechen und auch die Planungshoheit
auszuüben. Ich betrachte dies als eine Aushöhlung der
kommunalen Selbstverwaltung. Im Bergrecht wirkt altes DDR-Unrecht
fort: Den Bodeneigentümern wird quasi das Recht abgesprochen
über ihr Eigentum selbst zu entscheiden. Hier ist ein gemeinsamer
Widerstand notwendig. Ein sehr wichtiger Faktor ist auch der Abtransport
der gewonnenen Rohstoffe. Unsere Dörfer stöhnen unter
dem Staub und Lärm des zunehmenden Schwerlastverkehrs. Der
schlechte Ausbauzustand der Bundes und Staatsstraßen in einigen
Abschnitten potenziert diese Problematik.
Wir fordern neben der Fortsetzung des grundhaften
Ausbaues dieser Straßen auch, daß zukünftig nicht
nur das jeweilige Einzelvorhaben, sondern alle Abbauvorhaben im
Zusammenhang betrachtet werden müssen. Diese Auffassung teilen
unsere Gemeinden auch mit unserem Landrat Herrn Dr. Schramm. Gemeinsam
mit ihm werden zur Zeit Gespräche mit dem sächsischen
Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit Herrn Kajo Schommer
und der Konzernleitung der Heidelberger Baustoffwerke vorbereitet.
Unsere Abgeordneten der Region, der parlamentarische Staatssekretär
und Mitglied des Bundestages Herr Dr. Gerald Thalheim und das Mitglied
des Landtages Herr Dr. Peter Jahr, unterstützen unser gemeinsames
Anliegen. Unser nächstes gemeinsames Ziel ist es, daß
die geplanten Steinbrüche auf den Feldern "Bernd"
und "Hugo" nicht entstehen, denn eine weitere Belastung
unserer Heimatregion können wir nicht mehr verkraften. Darum
stehen wir auch heute hier und bekunden gemeinsam unseren Willen.
Ronald Reagan, der frühere Präsident der
USA, hat einmal gesagt: "Sicher ist nur dies: Wenn wir nichts
tun, werden wir auch nichts erreichen!"
Darum möchte ich Sie alle abschließend
auffordern, weiter gegen die Konzentration von Bergbauvorhaben zu
kämpfen. Jeder an seiner Stelle, jeder nach seinen Möglichkeiten,
damit unsere liebenswerte Heimatregion für uns und auch für
unsere Kinder erhalten bleibt.
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