|
Wer vom Sportplatz auf der Jahnhöhe Richtung
Diethensdorf wandert, muß man ein tiefes Tal durchqueren und
wiederum einen Berg erklettern um schließlich die Diethensdorfer
Ebene zu erreichen. Durch dieses Tal, im Volksmund auch "Schlucht"
bzw. "Amselgrund" genannt, schlängelt sich der Holzbach
der im Gebiet der Markersdorfer Granitbrüche entspringt und
letztendlich in die Chemnitz mündet.
Auf halber Höhe des Anstieges zu Diethensdorf
liegt der sogenannte Schäferstein. Durch das Tal zog sich früher
ein Viehtreibeweg, der vornehmlich vom Schäfer der Herrschaft
Wechselburg und seiner Herde genutzt wurde. Die genauer Lage des
Weges ist heute leider nicht mehr bekannt. Der Herrschaft Wechselburg
stand damals das Recht zu, bis
Walpurgis (1. Mai) auch die privaten Flächen ihrer Untertanen
abzuweiden. Nun begab es sich, daß der Besitzer des Grundes
schon oft über den Wechselburger Schäfer empört war,
weil dieser seinen Kleeacker nicht nur vor, sondern auch widerrechtlich
nach Walpurgis abhütete. Um diesem Treiben ein Ende zu machen
verbot der Besitzer dem Schäfer eines Tages jemals wieder auf
seinem Grund und Boden zu hüten. Sollte der Schäfer das
ignorieren, würde dies einen Prozeß mit der Grafschaft
Wechselburg herbeiführen. Als der Bauer eines Tages den Gottesdienst
zu Claußnitz besuchte, wurde ihm von einem Nachbarn zugeflüstert:
"Der Schäfer hütet schon wieder auf deinem Klee !"
Voller Wut stürzte der Bauer aus dem Gotteshaus zu seinem Hof.
Dort ergriff er eine Deichselkette und rannte damit aufs Feld um
den Schäfer zu vertreiben. Als dieser sich jedoch weigerte
weiterzuziehen, schlug ihn der Grundbesitzer mit der Kette. Schwer
getroffen stürzte der Schäfer zu Boden und bliebt tot
liegen.
Der Schäferstein, ein größerer, obenauf
mit einem eingemeißelten Kreuz versehener Grenzstein, 160
Schritte vom Bache im Tal nach Diethensdorf zu, soll an der Stelle
des ehemaligen Viehweges stehen, an welcher der Schäfer erschlagen
und auch begraben wurde. Zugetragen hat sich diese Begebenheit wahrscheinlich
im 17. Jahrhundert. Über die Bestrafung des Grundbesitzers
ist nichts bekannt. Möglicherweise wurde er zum Aufstellen
dieses Steines verurteilt. An derart Strafen erinnern in unserer
Gegend auch die vielen Sühnekreuze aus jener Zeit.
Im Herbst 1997 wurde der Schäferstein wieder aufgestellt, der
seit der Schaffung von Großflächen in der Landwirtschaft
verschwunden war. Eine Gedenktafel, die den Sinn dieses Steines
erläutert wurde ebenfalls mit errichtet.
Quelle: überliefert
|